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Schöne schlaue Arbeitswelt - Eine Ausstellung zu Ambient Intelligence

Schöne schlaue Arbeitswelt – Eine Ausstellung zu Ambient Intelligence

Thema des Monats - Oktober 2014

Photo © Ilja Hendel / Wissenschaft im Dialog

Photo © Ilja Hendel / Wissenschaft im Dialog

Denkende Büros, schlaue Schutzkleidung oder helfende Datenbrillen. Das ist längst kein Stoff mehr für Science Fiction-Filme. Kleinste vernetzte Technologie umgibt uns im Alltag bereits überall. Sie unterstützt uns selbstständig - versteckt und unbemerkt in Gegenständen oder Räumen.

Welche Möglichkeiten sich durch die unsichtbaren Helfer ergeben, wie die Forschung zu neuester Technik aussieht und ob Technik überhaupt "intelligent" sein kann, zeigt die neue Schau "Schöne schlaue Arbeitswelt. Eine Ausstellung zu Ambient Intelligence" der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund.

Sie präsentiert in fünf Bereichen von der Kleidung bis zur Datenbrille in der Zeit vom 11. September bis 23. November 2014, was intelligente Technik alles leistet.

Einführung

Ambient Intelligence-Technologien sind Systeme, die den Menschen unterstützen. Sie sind dezentral und modular aufgebaut, sie sind eingebettet in andere Gegenstände, passen sich der Situation an und handeln ohne Aufforderung.

Noch ist die vollständige intelligente Umgebung eine Vision. Doch an ihrer Verwirklichung arbeiten derzeit Forschungsinstitutionen in aller Welt. Ob sich von Geisterhand bewegende Rollläden, Autos ohne Fahrer oder einkaufende Kühlschränke: Unsere Umgebung lernt, zunehmend vernetzt und eigenständig zu "denken".

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht die konkreten Auswirkungen derartiger Technologien auf den Menschen und seine Arbeit. Dr. Lars Adolph, wissenschaftlicher Direktor der „Division Products and Worksystems“, beschreibt es so: „Ambient Intelligence verändert unsere Arbeitswelt. Wir werden es künftig mit Technologien zu tun haben, die vielleicht nicht immer für uns transparent und verständlich sind, die uns aber in vielfältiger Weise unterstützen können oder auch Produktionsprozesse helfen, effizienter zu gestalten. Die Arbeitswelt steht vor einem großen Entwicklungssprung.“

Seit 2009 forscht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin an Chancen und Risiken von Ambient Intelligence-basierten Technologien in der Arbeitswelt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auswirkungen dieser Technologie auf den Menschen. Denn so schillernd es sein mag, via Datenbrille die gesamte Welt buchstäblich im Auge zu haben, so wenig bekannt sind die gesundheitlichen Aspekte.

Die Wissenschaftler untersuchen, in welchen Arbeitsbereichen der Einsatz intelligenter Technologien sinnvoll ist und welche körperlichen und geistigen Folgen entstehen können. Auch Herausforderungen, etwa in punkto Datenschutz, stehen auf dem Prüfstand.

Mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse erstellen die Forscher Hinweise zur Beurteilung von Risiken in der betrieblichen Praxis. Die innovativen Technologien werden vor der flächendeckenden Nutzung untersucht, um eine menschengerechte und sichere Nutzung zu ermöglichen.
Forschung im Bereich des Arbeitsschutzes gibt es nicht erst seit Ambient Intelligence. Am Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie beispielsweise wird seit 1913 für bessere Bedingungen im Arbeitsalltag geforscht. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gibt es in Dortmund seit 1971. Damals hieß sie noch „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung“.

 
 
Photo © DASA

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Intelligente Kleidung

Wie kann uns moderne Technik ständig begleiten? Durch die Einbettung in Textilien rückt sie direkt an den Körper heran. Die Herausforderung hierbei ist die Verbindung von Mikroelektronik mit flexiblen Textilien. Die Stromzufuhr muss integriert und eine zuverlässige Kommunikation zur Zentrale gewährleistet sein.

Die Möglichkeiten sind vielfältig: intelligente Stoffe registrieren die Position des Trägers oder seinen Körperzustand. In Teppichen verarbeitet werden Stürze oder unbefugtes Betreten gemeldet.

In der Arbeitswelt muss Schutzkleidung optimal auf den Träger und die Situation angepasst sein. Gefahren können mit intelligenter Unterstützung eingeschätzt und der Träger besser geschützt werden. Sensoren messen die Umgebung oder Körperdaten, um im Notfall Alarm zu schlagen. So kann sich z.B. der Feuerwehrmann auf seine Arbeit konzentrieren, während der Anzug die Situation im Einsatz für ihn analysiert.

Die BAuA untersucht, wann intelligente Schutzkleidung sinnvoll ist und ob negative Auswirkungen beim Tragen auftreten. Blindes Technikvertrauen, Leichtsinn des Trägers oder fehlende Akzeptanz können unerwünschte Nebenwirkungen sein.

Die Überwachung des Körpers durch Textilien kann nur durch die Erfassung und Auswertung von Daten erfolgen. Datenschutz und die Einhaltung von Persönlichkeitsrechten bei der Sammlung und Verarbeitung von persönlichen Daten sind eine neue Herausforderung in der Arbeitswelt. Auch sie werden erforscht.

 
 
Photo © Ilja Hendel / Wissenschaft im Dialog

Photo © Ilja Hendel / Wissenschaft im Dialog

Datenbrillen

Informationen immer im Auge behalten – mit Head Mounted Displays (HMDs) oder Datenbrillen ist das möglich. Kleine, am Kopf getragene Displays zeigen Emails, Wegbeschreibungen oder 3D-Filme an. Der Unterhaltungsmarkt ist hier Vorreiter, Datenbrillen könnten die Videospiele-Branche revolutionieren.

Der Computer rückt so immer näher an den Menschen heran, der Körper entwickelt sich zur Datenschnittstelle. Der nächste Schritt ist das Einbauen von Technik in den Körper selbst – auch das ist längst keine Utopie mehr.

In der Arbeitswelt sind Datenbrillen vielfach einsetzbar: bei Montagearbeiten, Lagerarbeiten, in der Instandhaltung oder der Systemüberwachung. Der Vorteil ist, dass man beide Hände benutzen kann. Datenbrillen können so Anleitungen in Papierform ersetzen. Bei der Wartung eines Windrads beispielsweise überträgt ein Spezialist Handlungsanweisungen aus der Ferne direkt auf das Display, der Monteur hat beide Hände frei.

Das erhöht Sicherheit und Effizienz. Bei Datenbrillen unterscheidet man Geräte, die Informationen vor einem oder beiden Augen darstellen. Auch kann die Information mit oder ohne Durchsicht auf die Umgebung angezeigt werden.

Gesundheitliche Aspekte der Datenbrillen sind noch wenig erforscht. Zu diesem Zweck ermittelt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einem mehrjährigen Forschungsprojekt die Auswirkungen der Langzeitnutzung von Datenbrillen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Benutzerfreundlichkeit von Datenbrillen vom Entwicklungsstand der Technologie und von Gewicht und Größe des Gerätes abhängen.

Dazu noch einmal Dr. Adolph: „Ein smarter Roboter, so wie er jetzt in der Entwicklung ist, wird sich beispielsweise an die individuelle Körpergröße anpassen können, er wird präzise Informationen zu Arbeitsaufgaben liefern und somit lässt sich auch die Arbeit gesünder, ergonomischer und effizienter gestalten.“

 
 
Photo © DASA

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„Intelligente Beleuchtung“

Nüchtern, gemütlich oder sachlich – Licht bestimmt die Atmosphäre im Raum. Aber Licht kann noch viel mehr: es verändert unseren Hormonhaushalt. Licht mit hohem Blauanteil macht uns wach. So sind Arbeiter während der Nachtschicht in der Lage zu arbeiten, ohne müde zu werden.

Ist das gesund, dass wir unseren Körper austricksen? Dieser Frage geht die BAuA nach. Zusammen mit Kooperationspartnern erforscht sie den Einfluss von biologisch wirksamem Licht auf die Schlafqualität. Zudem wird auch die Anwendbarkeit eines „intelligenten“ Beleuchtungssystems untersucht. Solche Systeme passen sich individuell dem Arbeitsplatz und der Situation an. Das ist funktionell und spart Kosten. Die Ergebnisse der BAuA dienen der Industrie und den Arbeitgebern als Risikobewertung.

 
 
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Digitale Ergonomie

Virtuelle Realitäten lassen Fantasien wahr werden. Sie begegnen uns in Videospielen und Kinofilmen. Im Arbeitsleben werden virtuelle Welten genutzt, um beispielsweise Arbeitsabläufe im Vorfeld digital zu planen. Auf diese Weise können Wege verkürzt und Arbeitsplätze menschlich gestaltet werden. Zur Erstellung virtueller Welten werden Maße und Bewegungen des menschlichen Körpers benötigt. Hier kommt die digitale Ergonomie ins Spiel. Moderne Sensortechnologie, wie sie z. B. eine Microsoft Kinect bietet, ermöglicht die Übertragung menschlicher Maße und Bewegungen in eine virtuelle Welt.

„Das ist das Potenzial, das in dieser Technologie steckt. Für die Unternehmen ist der wirtschaftliche Vorteil stark im Vordergrund. Wir sind bestrebt, die Produktivitätsvorteile mit menschengerechter, gesunder und sicherer Arbeit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen“, fasst Dr. Lars Adolph zusammen, „denn es gibt viele Chancen für eine gute menschengerechte Arbeitswelt. Es gibt ebenso gute Chancen für die Wirtschaft, damit erfolgreich zu werden. Es geht dabei aber immer auch um die Kontrolle der Risiken. Diesen spannenden Herausforderungen stellt sich die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.“

Interessierte Gruppen und Schulklassen ab Jahrgangsstufe 8 können sich in 60 Minuten der intelligenten Technik in der DASA nähern: In einer kombinierten Führung durch die "Schöne schlaue Arbeitswelt" sowie die DASA erleben sie die Arbeit mit dem High Tech Gabelstapler, eine virtuelle Fabrik und einen sprechenden Roboter. Zwei Experten-Vorträge zum Thema ergänzen das Programm.

Frank Lindner

Infokarte zur Ausstellung als pdf
Zur DASA Homepage
 
 

 
 

Mehr Informationen

INFOBOX

© DASA


Eine Ausstellung der
DASA Arbeitswelt Ausstellung
Friedrich-Henkel-Weg 1-25
44149 Dortmund
Telefon: 0231 9071- 2479
Telefax: 0231 9071- 2267

Laufzeit
11. September bis 23. November 2014

Kontakt
besucherdienst-dasa@baua.bund.de

Info-Telefon 0231.9071-2479
Buchungs-Nr 0231.9071-2645

www.dasa-dortmund.de


Zur DASA Webseite

Rahmenprogramm

Denker-Donnerstage mit:

Dr. Wolfgang Deiters, Fraunhofer ISST Dortmund:
„Ambient Assisted Living (AAL) - Technikspielzeug oder sinnvoller Baustein einer Demographiestrategie?“
23.10.2014, 18.00 – 19.30 Uhr

Dr. Lars Adolph & Britta Grauel, Bundesanstalt für Arbeitsschutz & Arbeitsmedizin, Dortmund:
„Der Kollege Roboter in der Industrie 4.0“
20.11.2014, 18.00 – 19.30 Uhr


Leihgabe: ifak system, Deutschland - Photo © DASA

PROSPIE T-Shirt: Das Shirt ist Teil eines Schutzanzugs für Arbeitsplätze, an denen es besonders heiß ist. Es beinhaltet ein Intelligentes Datenerfassungs- und Überwachungssystem das Alarm schlägt, wenn kritische Werte überschritten werden. (Leihgabe: ifak system, Deutschland)

Hersteller: Epson, Japan - Photo © DASA