15.05.2015

BMWi, Berlin

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Mai 2015

Die deutsche Wirtschaft setzte im ersten Vierteljahr ihren Aufschwung fort. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach der jüngsten Meldung des Statistischen Bundesamtes im ersten Vierteljahr 2015 mit +0,3 % spürbar. Bereits im Schlussquartal 2014 hatte sich die gesamtwirtschaftliche Leistung mit +0,7 % kräftig erhöht. Getragen wurde die Entwicklung im ersten Quartal vor allem durch die inländische Nachfrage. Insbesondere die privaten Konsumausgaben erwiesen sich einmal mehr als Wachstumsträger. Das Fundament hierfür bildete die robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt und die positive reale Einkommensentwicklung. Die Kaufkraft der Verbraucher wurde durch den sehr moderaten Preisniveauanstieg auch infolge rückläufiger Rohölpreise gestützt. Angesichts sinkender Importpreise und damit kräftig steigender Importvolumina ging im ersten Vierteljahr vom Außenhandel ein merklich dämpfender Wachstumsimpuls aus. Die Investitionskonjunktur hat dagegen etwas an Fahrt gewonnen.


Das aktuelle Konjunkturbild spricht für eine Fortsetzung des Aufschwungs in einem moderaten Tempo. Die Euroabwertung führt zu einer verbesserten preislichen Wettbewerbsfähigkeit. Daher ist im Frühjahr ein positiver Wachstumsimpuls des Außenhandels zu erwarten. Der Anstieg der privaten Konsumausgaben dürfte sich fortsetzen und die Investitionstätigkeit sollte sich weiter beleben. Dessen ungeachtet bleiben mit der Krise in Griechenland, dem Russland-Ukraine-Konflikt sowie der angespannten Situation im Nahen Osten zahlreiche Risiken für die deutsche Konjunktur bestehen.


Die Weltwirtschaft expandiert mit moderatem Tempo. Nach einem leicht beschleunigten Anstieg im zweiten Halbjahr 2014 bewegte sich die Weltindustrieproduktion bis Februar seitwärts. Dies ist vor allem auf die Entwicklung in den Schwellenländern zurückzuführen. In China hält die Wachstumsabschwächung an. Auch setzt sich die kritische wirtschaftliche Lage in Russland fort. Die rückläufigen Ölpreise sind auch für die rohstoffexportierenden Länder Südamerikas eine Belastung. In den Industriestaaten stützen sich die Wachstumserwartungen weiter auf die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, auch wenn sich dort die Wachstumsdynamik im ersten Quartal abgeschwächt hat. Die Erholung des Euroraums scheint dagegen zu Jahresbeginn leicht an Dynamik gewonnen zu haben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in seinem World Economic Outlook vom April ein Wachstum der globalen Wirtschaft von +3,5 % im Jahr 2015 und +3,8 % im Jahr 2016.


Der deutsche Außenhandel entwickelte sich im ersten Quartal trotz der Euroabwertung wenig dynamisch. Die Ausfuhren an Waren erhöhten sich in jeweiligen Preisen trotz ihres Anstiegs im Februar und März im ersten Quartal insgesamt lediglich um 0,6 %. Auch in realer Rechnung haben sie das Niveau des Vorquartals nur geringfügig überschritten. Die Einfuhren nahmen im selben Zeitraum in jeweiligen Preisen um 1,3 % zu. Wegen der ölpreisbedingt rückläufigen Importpreise haben sie in realer Rechnung noch deutlicher zugenommen. Im Ergebnis war der Wachstumsbeitrag des Außenhandels zur Entwicklung des BIP im ersten Quartal negativ. Die Perspektiven für den Außenhandel bleiben aber angesichts der hohen preislichen Wettbewerbsfähigkeit und der erwarteten leichten Belebung des weltwirtschaftlichen Umfelds freundlich.


Die Industriekonjunktur hat in den letzten Monaten an Schwung verloren. Im März fiel die Produktion um 0,8 % geringer aus als im Februar, sodass sich für das gesamte erste Quartal im Vergleich zum Vorquartal nur ein leichtes Plus von 0,2 % ergab. Wichtige Investitionsgüterbranchen wie der Maschinenbau oder die Kfz-Wirtschaft entwickelten sich zuletzt wenig dynamisch. Auch die Industrieumsätze waren im Februar und März rückläufig. Der Anstieg um 0,6 % im ersten Quartal wird dabei durch das Inlands- und Euroraumgeschäft getragen, während der Umsatz mit Ländern außerhalb des Euroraums mehr oder weniger stagnierte. Zudem lassen die Auftragseingänge  keine anziehende Dynamik in den kommenden Monaten erwarten. Im März stiegen die Bestellungen zwar um 0,9 % an, doch im gesamten ersten Quartal blieb das Bestellvolumen spürbar hinter dem Ergebnis des Vorquartals zurück. Gleichwohl bleibt die Stimmung in den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes gut. Das ifo-Geschäftsklima stieg im April das sechste Mal in Folge an, obwohl die Erwartungen etwas nachgaben. Die Bauproduktion wurde im ersten Quartal deutlich ausgeweitet. Eine witterungsbedingte Sonderkonjunktur wie im letzten Jahr zeichnet sich jedoch nicht ab. Die Stimmung in der Baubranche hellte sich im April wieder auf, nachdem sie sich im letzten halben Jahr etwas eingetrübt hatte.


Nach dem kräftigen Anstieg im vierten Quartal 2014 um 0,8 % haben die privaten Konsumausgaben auch im ersten Quartal das Wachstum maßgeblich getragen. Der Arbeitsmarkt ist aufgrund der konjunkturellen Belebung und günstiger Witterungsverhältnisse weiterhin im Aufwind.


BMWi, Berlin