08.06.2015

ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg

Gebäude mit wellenförmiger Stahlfassade überzeugte

Was die Energieeffizienz angeht, so sind ältere Gebäude nicht optimal – es sein denn, sie werden entsprechend saniert. In der Bottroper Fußgängerzone ist das erste sanierte Plus-Energie-Geschäftshaus in Deutschland realisiert worden. Das vom Architekturbüro Helmke geplante Gebäude besticht nicht nur durch das zugrunde liegende Energiekonzept, sondern auch durch seine wellenförmige Stahlfassade, deren Oberfläche an Eisblumen erinnert. Das architektonische Konzept für den Vorzeigealtbau im Bottroper Zentrum wurde nun Wettbewerbssieger im Rahmen des Stadtentwicklungsprojekts „InnovationCity Ruhr“.


Die energetische Sanierung umfasst dabei alle Bereiche: So ist das gesamte Gebäude mit Polyurethane (PU) gedämmt, die der Projektpartner Bayer MaterialScience zur Verfügung gestellt hat. 108 Fotovoltaikmodule versorgen das Haus mit Strom, überschüssige Energie wird in Batterien gespeichert. „Was die Stromversorgung angeht, ist das Haus damit autark“, sagt Anna Vering, die leitende Architektin des Architekturbüros. Sollte die Solarenergie wider Erwarten dennoch einmal nicht ausreichen, setzen die Planer auf Ökostrom, der zu 100 % aus Wasserkraft gewonnen wird. Auch das Heizungssystem ist gut durchdacht: Zwei Erdbohrungen – je 100 m tief – lassen es im Inneren des Hauses auch im Winter angenehm warm sein. Das Besondere dabei: Statt herkömmlicher Heizsysteme temperieren Heiz- und Kühldecken die Räume. So kann die Temperatur auch an heißen Sommertagen optimal reguliert werden. Ebenso wie beim Strom haben die Architekten eine Alternative geschaffen. Denn sollten die Zimmer über die Erdwärme nicht warm genug werden, ist das Haus zusätzlich an Fernwärme angeschlossen. Dreifach verglaste Fenster und eine Lüftungsanlage mit 90-prozentiger Wärmerückgewinnung sorgen für optimale Energieeffizienz. „Das Gebäude ist ein Vorzeigeobjekt“, erläutert Vering. „Wir wollen andere Architekten und Bauherren dazu anspornen, Altbauten energetisch zu sanieren.“


Die Besonderheit des Gebäudes spiegelt sich auch in der Fassade wider: Sie ist wellenförmig. „Wir haben ein Material gesucht, mit dem wir diese Wellen realisieren können – und das zudem eine Oberfläche hat, die etwas Besonderes ist“, erinnert sich Vering. Ein weiterer Anspruch an das Material: Es sollte sich in seiner Struktur und Fertigkeit harmonisch in das Straßenbild einfügen – und zudem ökologisch sein.


Mit Pladur Relief iceCrystal von ThyssenKrupp Steel Europe haben die Architekten ein solches Material gefunden: Hochwertiger Qualitätsflachstahl, dessen Oberfläche wie von Eisblumen überzogen scheint – und das daher den Namen iceCrystal trägt. Bislang wurde der Baustoff vor allem im Industriebau als hinterlüftete Fassade eingesetzt, die Verwendung im hochwertigen Geschossbau ist eine Premiere. „Pladur Relief iceCrystal ist optisch ein Wahnsinn – mich begeistern vor allem die klaren Kanten, die sich damit realisieren lassen“, sagt Vering. Auch Oliver Helmke, der das gleichnamige Architekturbüro leitet, ist von dem beschichteten Stahl überzeugt: „Die Oberflächenbeschaffenheit des Fassadenmaterials ist wirklich beeindruckend.“


Neben der anmutigen Ästhetik bietet Eisblumenfassade zahlreiche Vorteile: Sie ist kratzfest, schmutzabweisend und durch eine Verzinkung und die organische Beschichtung wirkungsvoll vor Korrosion geschützt. Sie ist damit wetterbeständig, trotzt dem Zahn der Zeit und erhält den Wert des Objekts. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis schneidet verglichen mit anderen Baustoffen sehr gut ab. Zudem ist das Material recycelbar – und zwar ohne Qualitätsverlust. Der wiedergewonnene Stahl weist also die gleiche Güte auf wie der Primärstahl.


Ein weiteres Plus: Pladur Relief iceCrystal lässt sich sehr gut verarbeiten. Es kann gebogen, gezogen und gekantet werden, es lässt sich profilieren, stanzen, fügen und verkleben – und zwar ohne Risse oder Einbußen in der Stabilität. Damit eignet es sich sowohl für Standardbauteile als auch für individuell geformte Sonderelemente, wie sie für das Gebäude in der Hansastraße benötigt wurden. „Die Verarbeitung lief sehr gut“, bestätigt Lars Werner, Geschäftsführender Gesellschafter der HSP-Fassaden GmbH, die die Fassadenelemente in die richtige Form und an das Gebäude gebracht hat. „Obwohl das Stahlblech nur 1,25 mm dick ist, hat es eine ausreichende Steifigkeit – es beult nicht aus.“


ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg