16.10.2015

Schuler AG, Göppingen

Volkswagen Nutzfahrzeuge nimmt Pressenlinie in Betrieb

Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover hat jetzt eine neue Servo-Pressenlinie von Schuler offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage besteht aus sechs Einzelpressen und hat eine Gesamtpresskraft von 91 000 kN. Sie wird angetrieben von 15 Torque-Motoren mit einem Drehmoment von insgesamt  600 000 Nm. Mit 17 Hüben pro Minute entstehen auf der Servo-Pressenlinie unter anderem Teile für den Volkswagen Bus T6. Bei vier Teilen pro Hub kommt die Anlage auf eine maximale Ausbringungsleistung von 68 Teilen pro Minute.


Die hohe Produktivität ist das Ergebnis eines optimalen Zusammenspiels der Automationskomponenten mit den sechs Einzelpressen, aus denen die Linie besteht. Den Anfang machen zwei Roboter: Sie entnehmen im Wechsel Blechzuschnitte vom Stapel und legen sie auf ein Transportband. Eine optische Zentriereinrichtung ermittelt durch eine Kamera die exakte Position der Platinen, damit sie der Crossbar Feeder passgenau in die erste Presse einlegen kann.


Unmittelbar nachdem sich das Werkzeug nach dem Umformvorgang wieder geöffnet hat, gleitet der Querbalken des nächsten Crossbar Feeders hinein, saugt das Teil an und hebt es heraus – nur Bruchteile von Sekunden, bevor die folgende Platine in das Werkzeug hineinfällt. Die Abläufe sind so genau abgestimmt, dass sich die Crossbar Feeder bis auf wenige Zentimeter nähern, ohne miteinander zu kollidieren. Auf diese Weise gelangen die Teile innerhalb von Sekunden von einer Presse zur nächsten und erhalten dabei Schritt für Schritt ihre Form.


Der Wechsel von Werkzeug und Tooling zur Aufnahme der Teile läuft vollautomatisch und ist in gerade einmal drei Minuten abgeschlossen. Die Toolings lagern dabei auf der Presse am Beginn und Ende der Linie, wodurch sich der Platzbedarf der kompakten Anlage auf ein Minimum verringert.


Die Schuler-Linie verfügt neben einer Pausen- und Standby-Schaltung auch über eine Regelung der Kühlwasser-Temperatur und eine verbrauchsabhängige Kompressoren-Steuerung, um den Energiebedarf zu drosseln. Die Pressenbediener können dabei sämtliche Verbräuche zentral erfassen und steuern.


Dazu zählt auch der Stromverbrauch. Jede einzelne Presse bewegt beim Öffnen und Schließen des Werkzeugs eine Masse von mehr als 80 t, entsprechend hoch ist der Energiebedarf der Linie. Doch wenn die Presse das Werkzeug auf dem Weg nach unten abbremst, wird auch Energie freigesetzt. Diese Bremsenergie lässt sich über ein Schwungrad zwischenspeichern und dann abrufen, wenn die Presse das Werkzeug wieder anheben muss. Dadurch lassen sich Energiebedarf und Belastungsspitzen für das interne Stromnetz reduzieren.


56 km an Kabeln verlegten die Schuler-Mitarbeiter in der Linie. Sechs Monate hatte die Montage der Anlage mit einem Gesamtgewicht von 3 300 t, einer Breite von 24 m und einer Länge von 94 m in Hannover in Anspruch genommen.


Schuler AG, Göppingen