„Inspirierendes Vorbild für Rohstoff- und Energieeffizienz“
„Inspirierendes Vorbild für Rohstoff- und Energieeffizienz“
Eine Traverse zieht verzinkte Stahlteile aus einer mehr als 400 Grad heißen Zinkschmelze im Stahlverzinkungsbetrieb ZINQ am Standort Hagen Bild: Klaus Jongebloed/DBU)
Der Stahlverzinkungsbetrieb ZINQ wird mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ausgezeichnet.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis an das Geschäftsführungsduo Lars Baumgürtel (59) und Ingenieurin Dr. Birgitt Bendiek (58) vom Stahlverzinkungsunternehmen Zinq aus Gelsenkirchen – „als inspirierendes Vorbild für Rohstoff- und Energieeffizienz und geprägt von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in einer ressourcenintensiven Branche“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Der Preis von gesamt 500 000 Euro zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Baumgürtel und Bendiek teilen sich die Summe mit der Schweizer Klimaforscherin Prof. Dr. Sonia I. Seneviratne. Verzinkung schützt Stahl vor Rost. Im klassischen Feuerverzinkungsverfahren werden Stahlteile in riesige Wannen mit einer 450 Grad heißen Zinkschmelze getaucht – allerdings erst nach einer mehrstufigen chemischen Vorbehandlung mit Entfettung, Beizen, Flussmittelbad, zwischendurch Spülungen sowie Trocknung bei etwa 100 Grad. Zinq ist laut Bonde ein „großartiges Beispiel“ für Circular Economy, also umfassende Kreislaufwirtschaft, in einem produzierenden Industriebereich. „In unserem Geschäftsmodell ,Planet ZINQ‘ geht es neben minimiertem Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase (THG) wie Kohlendioxid (CO2) vor allem um zirkuläre Wirtschaftsweise“, sagen Baumgürtel und Bendiek. Im Vordergrund stehe das Produkt, dessen Design „von Anfang an“ auf weniger CO2, mehr Materialgesundheit, mehr Kreislauffähigkeit und längere Lebensdauer abziele.
Patentiertes Mikrozink-Verfahren: Deckschicht dünner als ein Haar
Die DBU würdigt auch die Beharrlichkeit von Baumgürtel und Bendiek. Bonde: „Seit einem Vierteljahrhundert setzen sie ihr zirkuläres Geschäftsmodell in die Praxis um.“ Bendiek betont den Vorrang des Produkts. Ihr Plädoyer: „Es muss mit allen Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus, inklusive der enthaltenen CO2-Emissionen sowie -Einsparungen in der Ökobilanz betrachtet werden.“ Aus dieser Strategie resultiert unter anderem ein patentiertes Mikrozink-Verfahren, das eine um 80 Prozent reduzierte hauchdünne Zink-Deckschicht für Stahlteile ermöglicht und das wie alle Stückverzinkungsoberflächen des Unternehmens nach dem Cradle to Cradle-Konzept auf Basis von fünf Nachhaltigkeitskriterien zertifiziert ist – mit dem Ziel, die energetische und stoffliche Transformation im Unternehmen voranzubringen. Entscheidende Impulse dafür leistet zudem die Forschungs- und Entwicklungsabteilung am Standort Gelsenkirchen, das ZINQ Futurium. Baumgürtel: „Wir sind auf der Jagd nach der letzten Kalorie.“ Wärmerückgewinnung, optimierte Steuerungstechnik, seit 2012 Umstellung auf Grünstrom, spezielle Legierungen mit minimiertem Ressourceneinsatz, ein effizientes Zinkbadmanagement und andere Maßnahmen haben nicht nur den Bedarf an Energie und Zink als Rohstoff gesenkt, sondern auch die THG-Emissionen: seit 2010 ungefähr 285 000 Tonnen CO2. Bemerkenswert sei das Mikrozink-Verfahren. Eine klassische Verzinkung von Stahl weist eine Deckschicht von 80 bis 100 Mikrometer auf, kurz My. Ein My ist ein Tausendstel Millimeter. Bendiek: „Beim Mikrozink verringern wir die Deckschicht auf lediglich zehn My.“ Das Zehntel eines Haars. Und: Durch die Zink-Aluminium-Legierung des Mikrozinkbads ist ein Absenken des sonst üblichen Schmelzpunkts von 450 auf 420 Grad möglich. Das spart viel Energie. Quelle: DBU