Swiss Steel nimmt weltweit ersten elektrischen Schmiedeofen in Betrieb
Swiss Steel nimmt weltweit ersten elektrischen Schmiedeofen in Betrieb
Finkl Steel-Sorel stellt in Kanada hochwertige Schmiedeprodukte her – dank Elektrifizierung mit Wasserkraft besonders umweltschonend. Bild: Finkl Steel-Sorel
Die Swiss Steel Group hat einen Schmiedeofen im Werk Finkl Steel-Sorel Québec von fossiler auf elektrische Energie umgestellt. Die Beheizung des Ofens mit erneuerbarem Strom senkt den CO2-Fußabdruck und bringt laut Unternehmen weitere Vorteile im Prozess und für die im Werk beschäftigten Menschen.
„Der erste elektrische Schmiedeofen in unserer Gruppe ist ein Paradebeispiel für ‚Forging the future’. Er ebnet den Weg für die weitere Elektrifizierung größer Öfen, womit wir unseren CO2-Fussabdruck gemäß Dekarbonisierungs-Roadmap kontinuierlich und nachhaltig reduzieren werden“, sagt Olivier Lebrun, CTO Swiss Steel Group. „Die Umstellung der Ofentechnologie ist eine bahnbrechende Ingenieursleistung und setzt den Standard für die Swiss Steel Group und die gesamte Stahlbranche.“ Allein durch die Elektrifizierung des Schmiedeofens im Werk Finkl Steel-Sorel in der kanadischen Provinz Québec könnten bis zu 3 000 t Treibhausgase im Jahr eingespart werden. Die Umstellung des ersten Schmiedeofes der Swiss Steel Group auf elektrische Beheizung war laut Unternehmen zugleich die erste derartige Installation weltweit. Neben der Reduktion der CO2-Emissionen sind mit der Umstellung von Erdgas auf Strom auch Ertragssteigerungen und Einsparungen beim Energieverbrauch verbunden, wie das Unternehmen mitteilt. Die Modellierungen hätten zum Beispiel eine deutliche Verringerung der Wärmeverluste ergeben und somit eine höhere Energieeffizienz. Auch mit einem stabileren Prozess, einer Verbesserung der Anlagenverfügbarkeit und einem geringeren Wartungsaufwand wird gerechnet. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aufgrund der Reduzierung der Stahloxidation im Ofen: Elektrisch beheizt entsteht weniger Zunder und damit Materialverlust. Die Umstellung der Ofentechnologie wirke sich auch auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten positiv aus: Elektrische Wärmeöfen sind sicherer im Betrieb und es herrscht eine bessere Luftqualität im Werk, ebenso die Staubbelastung ist niedriger. Zudem ist der elektrische Schmiedeofen sicherer in der Handhabung und einfacher zu warten.
Gleiche Leistung, höchste Qualität
Alle diese Vorteile werden laut Swiss Steel unter Beibehaltung höchster Qualitätsstandards (Temperaturhomogenität etc.) bei gleicher Heizleistungen wie im gasbefeuerten Ofen erzielt. Das hätten bereits Simulationen und Machbarkeitsstudien im Vorfeld ergeben, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler am Forschungslehrstuhl der ETS-Universität (École de technologie supérieure) in Montreal erarbeitet wurden. Sie sind spezialisiert auf die angewandte Lehre und Forschung im Ingenieurswesen sowie auf den Transfer fortschrittlicher Technologien an Unternehmen. Im Rahmen der Umstellung wurden alle Brenner und erdgasbezogenen Komponenten entfernt und 36 rohrförmige Heizelemente verbaut, die Temperaturen bis zu 1 600 °C standhalten. Zudem wurden neue elektrische Steuerungen installiert, die den Ofen mit 1,4 MW versorgen. Eine weitere Innovation sei die Verwendung eines neuen Feuerfestmaterials, das die gleichen Isoliereigenschaften wie Keramikwolle aufweise, aber keine Schadstoffe emittiere.
Elektrifizierte Prozesskette
Die Anlage wird zu 100 % mit Wasserkraft betrieben – einer der emissionsärmsten Formen der Energieerzeugung –, was die Umweltbilanz des Standorts weiter verbessert. Im neuen, elektrischen Schmiedeofen bei Finkl Steel-Sorel Québec können bis zu 40 t schwere Blöcke erhitzt werden, bevor sie auf einer ebenfalls vor kurzem erneuerten Presse geschmiedet und anschliessend weiterbearbeitet werden. Es kann nun die gesamte Prozesskette vom Elektrolichtbogenofen bis zu den Wärmebehandlungseinrichtungen elektrisch dargestellt und den Kunden hochwertigste, emissionsarme Stahlprodukte angeboten werden. Das Werk in St-Joseph-de-Sorel ist auf Werkzeugstähle und hochwertige Konstruktionsstähle spezialisiert. Mit seiner 2000-Tonnen-Freiformpresse und der neuen 6700-Tonnen-Presse kann das Werk Werkstücke unterschiedlichster Formen und Größen nach Kundenwunsch schmieden und wärmebehandeln. Quelle: Swiss Steel