Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat beschlossen, den Verkauf seiner Stahlsparte an den indischen Konkurrenten Jindal zu „pausieren.“ Bild: Thyssenkrupp Steel
Thyssenkrupp will seine Stahlsparte vorerst doch nicht an die indische Jindal Steel verkaufen. Wie der Essener Konzern mitgeteilt hat, sind die Gespräche mit dem indischen Stahlunternehmen Jindal über eine Beteiligung pausiert. Begründet wird der Schritt mit verbesserten Rahmenbedingungen. An der Verselbständigung von Thyssenkrupp Steel Europe will der Konzern aber festhalten.
Die ursprünglichen Grundannahmen und Voraussetzungen für eine mögliche Veräußerung von Thyssenkrupp Steel an Jindal haben sich laut Unternehmen in den vergangenen Monaten deutlich geändert. Thyssenkrupp sehe große Fortschritte bei der Neuausrichtung seines Stahlsegments, insbesondere vor dem Hintergrund des abgeschlossenen Sanierungstarifvertrags mit der IG Metall und der Grundsatzvereinbarung der Gesellschafter von HKM über die zukünftige Aufstellung des Standortes im Duisburger Süden.
Veränderte regulatorische Rahmenbedingungen
Hinzu komme ein deutlich verändertes und grundlegend vorteilhafteres regulatorisches Umfeld für die Stahlindustrie in Europa, wodurch sich für den Sektor ein erhebliches verbessertes Stabilisierungs- und Aufwärtspotenzial biete. Dies gelte trotz des aktuellen Energiepreisschubs durch den Irankrieg, der das Energiepreisniveau global erhöht: Die Europäische Union habe die große Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten erkannt und den Willen bekundet, die europäische Stahlindustrie besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping zu schützen und gleichzeitig die Umstellung auf klimaschonende Stahlproduktion weiter zu stärken. Zu diesem Zweck sollen unter anderem die Importkontingente verschärft, die Schutzzölle bei Überschreitung dieser Kontingente verdoppelt, ein CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) eingeführt und ein EU-Aktionsplan Stahl aufgestellt werden.
Deutliches Wertsteigerungspotenzial bei Thyssenkrupp Steel
„Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft“, erklärte Miguel López, Vorstandsvorsitzender der Thyssenkrupp AG. Nach der Einigung im eigenen Unternehmen, mit den Tarifpartnern und mit der Politik in Deutschland und Europa im Grundsatz seien die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr. „Jindal war während der gesamten Gespräche ein konstruktiver und engagierter Partner. Wir haben jedoch gemeinsam beschlossen, die Verhandlungen vorerst auszusetzen“, so López . Thyssenkrupp werde die Neuaufstellung des Segments weiterhin aus eigener Kraft konsequent vorantreiben, um den Stahlbereich erfolgreich und profitabel aufzustellen. In den vergangenen Monaten wurden dabei bereits wesentliche Fortschritte erzielt. Mit dem industriellen Zukunftskonzept von Thyssenkrupp Steel und dem Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall sei eine tragfähige Grundlage geschaffen worden, um den strukturellen Herausforderungen zu begegnen. Ein weiterer wichtiger Schritt sei die Einigung mit Salzgitter auf ein Eckpunktepapier zur Zukunft von HKM Anfang Februar gewesen. Damit habe der Standort im Duisburger Süden eine neue Perspektive erhalten. Zugleich adressiere die Politik die Herausforderungen der Stahlindustrie zunehmend stärker, insbesondere mit Blick auf Handelsschutzmaßnahmen gegen unfairen Wettbewerb und globale Überkapazitäten. Vor diesem vielversprechenden Hintergrund bleibe mittelfristig eine Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe mit einer eventuellen Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG das erklärte Ziel. Quelle: Thyssenkrupp