Abwärme fällt in den Metallindustrien an vielen Stellen an und wird von vielen Unternehmen auch sinnvoll genutzt. So spart das Stahlwerk Georgsmarienhütte jährlich mehr als 1500 Tonnen CO2 ein, indem es Abwärme aus der Stahlproduktion in das Fernwärmenetz der Stadtwerke einspeist. Und dennoch: Allein aus Prozessen der Eisen- und Stahlerzeugung in integrierten Hüttenwerken ließen sich jährlich in Deutschland mehr als 2,6 Milliarden Kilowattstunden Wärme zusätzlich nutzen, wie ein Gutachten im Auftrag des UBA belegt. Ein zukunftsweisender Weg zur Abwärmenutzung ist die Verstromung auch niederkalorischer Wärme mit ORC-Anlagen, wie Dr. Andreas Sichert, CEO des ORC-Anlagenherstellers Orcan Energy im Interview erläutert.
Dr. Sichert, was sind die Treiber für ORC-Anlagen und warum sollte ein Industrieunternehmen in die Verstromung von Abwärme investieren?
Sichert: Hohe Energiepreise und Netzentgelte sowie gesetzte Klimaziele machen Investitionen in Maßnahmen, die Energieeffizienz von Unternehmen zu steigern, sehr sinnvoll - aus sowohl wirtschaftlicher als auch ökologischer Perspektive. Orcan Energy’s ORC-Systeme können dazu beitragen, Standorte langfristig “fit-for-future” zu machen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Darüber hinaus gibt es in mehreren europäischen Staaten Investitionsanreize durch verschiedene Fördermechanismen. In Europa sehen wir derzeit besonders großes Interesse.
Wie entwickelt sich das Geschäft mit ORC-Lösungen für die Metallindustrien, wo sind Ihre Anlagen bereits im Einsatz?
Der steigende Druck zur Dekarbonisierung sowie steigende Energiepreise führen dazu, dass die Branche verstärkt v.a. nach “bezahlbaren”, d.h. auch wirtschaftlich sinnvollen Lösungen zur Energieeffizienzsteigerung sucht. Wir haben bereits mehrere ORC-Module in verschiedenen metallverarbeitenden Betrieben installiert, z. B. bei Nordenhamer Zinkhütte (Glencore) oder im Bleirecycling bei Ecobat Resources Freiberg GmbH.
Was zeichnet die Anlagen aus?
Die Module sind durch ihre Plug-and-Play-Konzeption besonders attraktiv, um Bestandsanlagen nachzurüsten. Wärmequellen können einzeln adressiert oder kombiniert werden, je nach Standort. Ein vollständig autonomer Betrieb und minimale Betriebskosten tragen dazu bei, dass unsere ORC-Lösungen einfach und unkompliziert in den bestehenden Prozess integriert werden können.
Welche Potenziale an Abwärme oder anderen Wärmequellen lassen sich in den Metallindustrien noch heben und welchen Beitrag können ORC-Anlagen dazu leisten?
In der Metallindustrie entstehen enorme Mengen an Abwärme, z. B. im Schmelzprozess im Hoch- oder Lichtbogenofen, aber auch bei der weiteren Verarbeitung, Wiederaufwärmung, Aufbereitung, Veredelung etc.. Ein großer Teil dieser Wärme bleibt bisher ungenutzt oder wird sogar aktiv - unter Energieeinsatz - gekühlt. ORC-Anlagen können einen signifikanten Beitrag leisten, sowohl im Hochtemperaturbereich (>300°C) als auch im Niedertemperaturbereich ab 80°C, z. B. durch die Optimierung bestehender Kühlsysteme.